Alex Markusch hat für Gitarrenbau in Berlin eine Werkstatt aufgebaut, die es in dieser Form in Deutschland vermutlich kaum ein zweites Mal gibt. Seit 2007 ist er in der Bänschstraße 50 in Friedrichshain. Das Who’s Who der internationalen Rockgeschichte (oder zumindest ihr Guitar-Tech) kennt den Weg dorthin. Und der Kiez-Musiker mit seiner ersten Gitarre findet hier genauso eine Anlaufstelle.
Aufgewachsen am Alexanderplatz in Ostberlin, lernte Alex Gitarrenbau nicht in einer offiziellen Ausbildung. Er schlich sich in Instrumentenmanufakturen in Markneukirchen und Adorf, bezahlte Pförtner mit Kaffee und Schnaps, bastelte in der DDR, wenn Teile fehlten. Schon in Weimar baute er für Kommilitonen. Als Buzz Dee von Knorkator eine Stratocaster mit Floyd Rose haben wollte, sägte Alex den Korpus von Hand aus einem Holzscheit aus. Nach der Wende folgte die Kulturbrauerei, eine Musikschule, dann Gitarren-Checkpoint – Vintage-Fender und -Gibson auf amerikanischen Messen und in Pawn-Shops, später als Consultant für Gibson Germany. Was Musiker wirklich brauchen, hat er in dieser Zeit verstanden.
2007 eröffnete er die eigene Werkstatt. Im gleichen Hinterhof liegen Proberäume, die Szene ist nah. Seitdem kommen hier Rockstars und Kiez-Gitarristen, und Alex behandelt beide mit derselben Sorgfalt. Für Metallica baute er eine Flying V, die Hetfield beim Festival-Warmup anspielte und nach dem Konzert direkt ins Studio nach Amerika schickte. Kirk Hammett will jeden Pickup verstehen, erklärt bekommen, ausprobiert haben. Slash lässt seine Gitarren bei Berliner Auftritten einstellen. Er entwickelt mit Richard Z. Kruspe von Rammstein und dem ESP-Vertrieb Sound Service ein Signature-Modell, das Bühnenshows dieser Größenordnung schadlos überstehen muss.
Tour-Tauglichkeit ist für Alex ein technisches Kriterium, kein Schlagwort. Kopfsteinpflaster, Aeroflot und Zeitdruck kurz vor Showbeginn – dafür wird hier gebaut und eingestellt. Alex kennt die Guitar-Techs der großen Acts genauso gut wie die Künstler selbst. Oft weiß der Tech mehr über ein Instrument als sein Besitzer. Diese Netzwerke wachsen über Jahre, über Diskretion und verlässliche Arbeit. Wer möchte, bekommt eine Geheimhaltungsvereinbarung.
Das Serviceangebot reicht von Setup und Wartung über Refrets und Elektronik-Upgrades bis zu Custom Builds aus lagergereiften Hölzern. Setups kosten ab 50 Euro, Reparaturen fangen beim Fünfer an. Du kannst auch mit einer günstigen Gitarre kommen. Alex empfiehlt Anfängern, Gebrauchtes zu kaufen und dann einschätzen zu lassen, statt blind online zu bestellen. Seit 2015 arbeitet Marius Lallensack in der Werkstatt mit, Profi-Gitarrist mit Tourerfahrung, zuständig für Setup, Knochensättel und Pedalboards. Ein Komplett-Pedalboard, von der Planung bis zum touringfertigen Zusammenbau, gehört zu seinem Spezialgebiet.
Geöffnet ist montags, mittwochs und donnerstags von 14:30 bis 18:30 Uhr, weitere Termine nach Vereinbarung. Auf Instagram: @alextheguitarman, Website: alexguitars.de.
Bänschstr. 50, 10247 Berlin.