Über Cream Music Frankfurt
Als 1904 der Instrumentenbauer Heinrich Hummel mit seiner Frau Babette nach Frankfurt kam, ahnte noch niemand, dass hier Musikgeschichte geschrieben werden würde. Was als kleines Geschäft für selbstgefertigte Zithern in der Taunusstraße 24 begann, entwickelte sich über 120 Jahre zu einer Institution, die den Rock’n’Roll nach Deutschland brachte – und nebenbei Elvis Presley belieferte.
Nach Heinrichs frühem Tod führten Babette und ihre Töchter Luise und Irene das Geschäft durch zwei Weltkriege und die Wirtschaftskrise. Die Enkelsöhne Hans und Klaus Hahn revolutionierten dann in den 60ern und 70ern die deutsche Musikszene. Als erste Musikalienhändler Europas importierten sie das komplette Fender-Sortiment – im firmeneigenen Opel Blitz fuhren sie nach England, um Hammond-Orgeln, Gibson-Gitarren und die ersten Moog-Synthesizer nach Deutschland zu holen.
Der Gitarrenladen in Frankfurt wurde zum Treffpunkt der internationalen Musikszene. Die Rolling Stones, Jeff Beck, Gary Moore, Billy Idol – sie alle deckten sich hier mit Equipment ein. National kamen die Rodgau Monotones, BAP, Nena und Markus („Ich will Spaß“) vorbei. Die Gitarre, die Elvis 1958 hier kaufte (er probierte sie im Auto aus, wollte nicht in den Laden), steht heute in Graceland.
2018 musste das „Home of Rock’n’Roll“ nach 114 Jahren das Bahnhofsviertel verlassen. Die komplette historische Ladenfront – Regale, die fast 100 Jahre alte Kasse, der Tresen, das rote Plüschsofa – zog mit nach Sachsenhausen in die Seehofstraße. Die Atmosphäre blieb, die Seele des Ladens ebenfalls.
Heute ist Cream Music in vierter Generation fest in Familienhand. Während in Sachen Instrumente und Technik alles auf dem neuesten Stand ist, weht viel Nostalgie durch die Geschäftsräume. Das rote Plüschsofa, auf dem schon etliche Rockgrößen Platz nahmen, gehört ebenso dazu wie die alte Registrierkasse.
Sortiment & Spezialisierung
Heute führen fünf Brüder und Cousins der vierten Generation den Laden. Bernie, Robert, Ingo, Stefan und Martin Hahn führen das Erbe fort. „Wir haben uns dem Rock’n’Roll verschrieben“, erklärt Bernie im Imagefilm, „aber natürlich auch akustische Instrumente aller Art, Tasten – und vor allen Dingen für jeden Geldbeutel.“
Das Sortiment reicht vom interessierten Einsteiger bis zum Profi. E-Gitarren und Bässe von Fender, Gibson und anderen Top-Marken bilden das Herzstück. Dazu kommen Verstärker, Effektgeräte, Keyboards und Percussion. Ein Fokus liegt auf Gitarren-Effekten – hier können Profis testen, was sie sonst nur aus Fachzeitschriften kennen.
Die alte Familientradition lebt weiter. Heidi und Renate Hahn, einst Azubis im Laden, sind heute die guten Seelen des Geschäfts. Heidi erinnert sich noch genau an die „wilde Rockzeit“, als manche Kunden barfuß in den Laden kamen. Die Leidenschaft fürs Musikmachen verbindet alle im Team – nach Geschäftsschluss spielen die Vier selbst in verschiedenen Bands.
Highlights & Services
Die Werkstatt: Dipl.-Ing. Tom Rahn kümmert sich um Wartung und Reparaturen. Vom kaputten Potentiometer bis zum gebrochenen Gitarrenhals – hier wird alles wieder fit gemacht. Die Kombination aus jahrelanger Musikererfahrung und technischem Know-how sorgt für professionelle Lösungen.
Die Atmosphäre: „Es ist eine Herzensangelegenheit, eine Atmosphäre zu schaffen, dass man Lust hat, ohne Kaufabsicht vorbeizukommen“, beschreibt Bernie die Philosophie. Musiker treffen sich, trinken einen Espresso, fachsimpeln. „Musiker der ganzen Welt haben eine Sprache – wir haben durch die Bank immer gute Stimmung im Geschäft.“
Die Geschichte: 2024 feierte der Dokumentarfilm „Dream a little Cream – Wie der Rock’n’Roll nach Frankfurt kam“ Premiere im Harmonie-Filmtheater. Regisseur Jochen Hasmanis arbeitete fast zehn Jahre an diesem Herzensprojekt über die bewegte 120-jährige Geschichte.
Die Studios: 1978 eröffneten die Brüder Hans und Klaus die Cream Recording Studios in Frankfurt-Oberrad. Künstler wie Nazareth, Nena, Markus und Costa Cordalis nahmen dort auf. Die Studios existieren noch heute.
Besonderheiten:
- 120 Jahre Familienbesitz (seit 1904)
- Erste Fender-Vollsortiment-Händler Europas
- Erste Hammond-Orgel Deutschlands (importiert)
- Cream Recording Studios (1978-heute, Oberrad)
- Percussion Center (1978-2018, Taunusstraße 49)
- Historische Ladeneinrichtung aus der Taunusstraße komplett erhalten
- Elvis-Gitarre-Geschichte (heute in Graceland)
- Dokumentarfilm über die Geschichte (2024)
- Team spielt selbst in Bands
- Eigene Werkstatt mit Dipl.-Ingenieur
So findest du Cream Music
Seit 2018 residiert der Gitarrenladen in Sachsenhausen, keine fünf Minuten vom Südbahnhof. Die historische Ladenfront mit Patina, die alte Kasse und das rote Plüschsofa schaffen auch hier die besondere Cream-Atmosphäre.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11-19 Uhr
Samstag: 11-18 Uhr
Montag & Sonntag: geschlossen
Kontakt:
📍 Seehofstraße 6, 60594 Frankfurt am Main
🌐 www.cream-music.shop
Online & Social Media:
📸 Instagram – News, Instrumente & Geschichten
🎬 YouTube – Imagefilm „Welcome to the Home of Rock’n’Roll“
Tipp:
Auch ohne Kaufabsicht vorbeikommen – die Atmosphäre schnuppern, einen Espresso trinken, mit anderen Musikern fachsimpeln. Das ist ausdrücklich erwünscht.