
Wer eine zweistelligen Anzahl an Gitarren in vielen Jahren gekauft und wieder verkauft hat, kennt die Frage: nicht mehr welche Gitarre kaufe ich, sondern wie müsste sie sein, damit ich sie behalte. Mensur, Halsprofil, Korpusgewicht, Klang – eine Kombination, die in keiner Produktionslinie vorkommt. Das Instrument, das man sucht, gibt es nicht. Oder doch?
Ein Gitarrenbauer ist eine Alternative zur ewige Suche. Das Holz wird ausgesucht, bevor der erste Schnitt gemacht wird. Der Hals entsteht nach den eigenen Wünschen, nicht nach der Vorgabe aus dem Katalog. Was am Ende herauskommt, gibt es genau einmal – und wenn du dann endlich deine Gitarre in die Hand nimmst, hat es sich (hoffentlich) gelohnt.
Diese Seite listet Gitarrenbauer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien, die dich hoffentlich einen Schritt näher zu deiner Traumgitarren bringen.
Vintage-Repliken & die goldene Ära

Wer eine Burst aus dem Jahr 1959 wirklich will, hat ein Problem. Halbwegs gespielte Exemplare beginnen bei einem sechsstelligen Betrag, und der Custom Shop der großen Hersteller baut zwar nah dran – aber manchmal zu glatt, zu gleichmäßig und auch nicht gerade sehr günstig. Was die Instrumente der goldenen Ära tatsächlich anders macht, steckt in Entscheidungen, die man nicht auf den ersten Blick sieht: die Lackdicke, der Halsklebstoff, die Wölbung der Decke, die Bundierung. Die Gitarrenbauer in dieser Kategorie kennen diese Hintergründe und Entscheidungen – weil sie täglich versuchen, Gitarren im Stil der „Holy Grails“ zu bauen.
Schwarz Custom Guitars – Neumarkt i.d. Oberpfalz Gerhard Schwarz‘ Werkstatt steht in Sankt Helena, einem Ortsteil von Neumarkt – kein naheliegender Ort, aber inzwischen eine bekannte Adresse. Henrik Freischlader spielt eine seiner Gitarren, Kuddel von den Toten Hosen auch, Siggi Schwarz ebenfalls. Richard Fortus von Guns N‘ Roses trägt eine St. Helens Bridge an seiner originalen 1958er ES-335. → Schwarz Custom Guitars
Real Guitars – Leverkusen Uli Stöveken hat 1998 damit angefangen, alte Fender, Gibson und Gretsch zu verkaufen. Irgendwann wurden die Preise für ordentliche Vintage-Stücke absurd, und er wechselte die Seite: statt suchen, bauen. In der Wilhelmstraße in Opladen entstehen heute Instrumente, die möglichst nah an die 50er und 60er herankommen, wie Neubauten es können. → Real Guitars
Pannucci Custom Guitars – Den Haag Angelo van Merrienboer fing aus finanziellem Pragmatismus an – bauen war billiger als kaufen. Da es in den Niederlanden keine Gitarrenbauschule gab, begann er mit Möbelschreinerei, dann Antikrestaurierung, dann Gitarrenbau. Seine Instrumente orientieren sich an den amerikanischen Klassikern der 50er und 60er. Damit hat er sich eine Fangemeinde aufgebaut, die bis nach Deutschland reicht. → Pannucci Custom Guitars
Mistress Guitars – Brüssel Der Laden steht in Woluwe-Saint-Lambert, von außen kein Hinweis auf Gitarrenbau. Entstanden ist er als direkte Antwort auf den explodierten Vintage-Markt: wer die Originale nicht bezahlen kann, bekommt hier handwerklich anspruchsvolle Gitarren. → Mistress Guitars
Florian Jäger – Oberstdorf Wer eine moderne Les Paul hat, die nicht klingt wie sie sollte, kann sie zu Florian Jäger bringen. Er nennt das den „Bavarian Makeover“ – nimmt das Instrument auseinander und baut es so zusammen, wie Gibson es in den 50ern gemeint hatte. Seinen Nitro-Lack setzt er aus eigenen Pigmenten an, die Deckenwölbung hobelt er von Hand. → Florian Jäger
Eigene Kreationen & originelle Designs

Manche Gitarristen suchen kein historisches Vorbild. Sie suchen ein Instrument, das es so noch nicht gibt – weil der Hals keiner bekannten Gitarre je richtig in der Hand lag, oder weil das Gewicht nie stimmte, oder weil eine Kombination aus Mensur und Pickup-Bestückung fehlt, die kein Hersteller je gebaut hat. Oder vielleicht die typischen Klassiker optisch zu langweilig sind und ein individuelles Design her muss. Für diese Gitarrenbauer ist der Ausgangspunkt nicht ein historisches Modell, sondern neue und kreative Ansätze.
Phantom Guitars – Köln 1976, beim Auftritt von Ritchie Blackmore’s Rainbow in der Kölner Sporthalle, landete der zerstörte Body einer weißen Strat direkt in Eduard Tüskes Armen. Er baute einen Hals dafür – aus Ahorn, ohne Stahlstab, mit seinem Vater. Fast 50 Jahre später baut er in Köln noch immer. Eigene Shapes, keine Kompromisse zugunsten der Optik. → Phantom Guitars
Baboushka Guitars – Berlin 2005 hörte Nikolai Tomás auf, nach der richtigen Gitarre zu suchen, und baute sie selbst. Das erste Instrument wurde ihm sofort wieder abgekauft. Seit 2018 steht Baboushka in der Handwerksrolle der Berliner Handwerkskammer, die Werkstatt in der Weserstraße 38 in Neukölln. Er baut allein. → Baboushka Guitars
Nik Huber Guitars – Rodgau 1996 gegründet, 2026 dreißig Jahre alt. Was als Ein-Mann-Werkstatt begann, sind heute 18 Leute, davon zwölf direkt am Instrument, bei einer Jahresproduktion von 350 bis 400 Gitarren. Modelle wie die Krautster haben es zu eigener Bekanntheit geschafft. → Nik Huber Guitars
Ritter Instruments – Deidesheim Jens Ritter arbeitet in einem Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert an der Pfälzer Weinstraße. Instrumente aus seiner Werkstatt hängen im Smithsonian in Washington und im Metropolitan Museum in New York. Ausgebildeter Industriemechaniker, Bässe für Weltklasse-Sammlungen. → Ritter Instruments
Tonfuchs Guitars – Karlsruhe Uwe Schölch hat seine erste Gitarre 1994 ohne Anleitung gebaut. Danach arbeitete er bei Nik Huber und entwickelte dort den Bulldog-Prototypen. 2005 gründete er Tonfuchs. Alles entsteht in seiner Werkstatt in Karlsruhe, nichts wird ausgelagert. → Tonfuchs Guitars
Cyan Guitars – Hamburg Thomas Harm hat mit 14 aus einem Regalbrett seines Vaters einen Bass gesägt – mehr Skulptur als Instrument, aber der Anfang. Tischlerlehre, Gesellenjahr in einer Kellerwerkstatt an der Schönstraße, dann der erste Messeauftritt als Cyan Guitars. Seit 1989 baut er in Hamburg. → Cyan Guitars
GuitarDoc & LUK Guitars – Berlin Als Anthony Schneider seine 99. Gitarre gebaut hatte, wusste er, was er für Nummer 100 brauchte. Er hatte gerade für einen Musiker aus Nashville einen B-Bender komplett selbst gedreht und gefräst – weil er das Ding schlicht nicht 6.000 Kilometer hin und zurück verschiffen wollte. Für seine Hundertste nahm er kein Lineal. Den Hals schnitzte er frei, bis er passte: asymmetrisch, 23 auf 25 Millimeter, Fat D. → GuitarDoc & LUK Guitars
Hans Guitars – Tübingen Thorsten Hans gründete Hans Guitars 2010, weil er verstehen wollte, wie Gitarren wirklich funktionieren. Sein Vater ist Schreiner, Werkzeug war ihm nie fremd. Am Holy Grail Guitar Show zeigte er seine Arbeit, die Gitarre & Bass hat ihn besprochen. → Hans Guitars
Guitar Barn – Oberwil (CH) Andy Hidber, Alain Gfeller und Giacun Schmid haben sich während der Pandemie in einer alten Schreinerei südlich von Basel zusammengetan. Der Guitar Barn Oberwil ist ein Verein, kein Betrieb. Kein kommerzielles Ziel. Wer hier kauft, bezahlt Handwerk, nicht Marge. → Guitar Barn
Richter Instruments – Schwetzingen Stefan Richter kommt aus Griechenland, hat in Mannheim Schreiner gelernt, 2011 die Gitarrenbau-Ausbildung in Weingarten abgeschlossen und dafür 2013 den Bayerischen Staatspreis bekommen. Er hat zusammen mit einem Chemiker Gitarren gebaut, deren Korpus aus gepresstem Kaffeesatz besteht. → Richter Instruments
Stratmann Gitarren – Hannover Thomas Stratmann baut in der Oesterleystraße 12a in Hannovers Südstadt, seit über dreißig Jahren. Kein Hals aus dem Katalog, kein Tonabnehmer aus der Schublade – er wickelt ihn selbst, auf die Schwingungseigenschaften genau dieses Instruments abgestimmt. → Stratmann Gitarren
Fürst Guitars – Wädenswil (CH) Reto Fürst betreibt seit 1998 in Wädenswil am Zürichsee einen Gitarrenladen. Er baut, was er selbst spielen würde, repariert Instrumente so, als wären es seine eigenen. Den Einstieg in den Gitarrenbau fand er über Claudio Pagelli, bei dem er sich entscheidende Grundlagen aneignete. → Fürst Guitars
Akustik & Klassik

Eine handgebaute Akustikgitarre klingt nach einem Jahrzehnt intensivem Spielen anders als am ersten Tag – offener, tiefer, direkter. Das Holz schwingt sich frei. Wer ein akustisches Instrument in Auftrag gibt, das fürs Leben sein soll, ist hier richtig.
Seefeldt Guitars – Hamburg Andreas Seefeldt hat 15 Jahre bei Lufthansa-Technik gearbeitet, bevor er Gitarrenbauer wurde. Die Ausbildung machte er bei Stephan Schlemper in Worpswede, der alten Künstlerkolonie südlich von Bremen. Die Zeitschrift Akustik Gitarre hat zwischen 2011 und 2020 vier seiner Modelle einzeln getestet. → Seefeldt Guitars
Zander Gitarren – Kiel Stefan Zander baut seit über dreißig Jahren Gitarren, in einem Hinterhof am Königsweg 16 in Kiel, wo Werkstatt und Laden eine Einheit bilden. Sein Klangideal ist grundtönig, dunkler und wärmer als der aktuelle Stahlsaiten-Standard – wer schon mal eine gut eingespielte Gitarre aus den 60ern in der Hand hatte, weiß was das bedeutet. → Zander Gitarren
Guitar Company Munich – München Stefan Zirnbauer hat seine Gitarrenbaulehre 1986 als Bundessieger abgeschlossen. Sein Meisterstück war eine Stahlsaitengitarre mit Cutaway. 1992 gründete er den Munich Repair Shop, ein Jahr später Stevens Custom Guitars als hauseigene Marke. Werkstatt, Reparatur und Custom-Bau unter einem Dach, seit über dreißig Jahren. → Guitar Company Munich
Andreas Cuntz – Riedstadt Wer eine Cuntz haben will, muss warten. Mehr als ein Jahr, meistens. Seinen Gesellenbrief hat er mit dem 1. Bundespreis des deutschen Handwerks abgeschlossen, 1999 kam der Meistertitel. Das Kernmodell CWG23 entwickelte er 1995 noch während der Ausbildung – und baut es seitdem weiter, immer mit der Frage im Hinterkopf, ob es noch besser geht. → Andreas Cuntz
Was als nächstes passiert
Wer sich für einen Gitarrenbauer entschieden hat, nimmt Kontakt auf. Was danach kommt, ist jedes Mal anders.
Eines teilen alle: die Zeit. Bei Andreas Cuntz liegt die Wartezeit über einem Jahr. Florian Jäger sucht vor jedem Neubau monatelang nach dem richtigen Holz. Thomas Stratmann wickelt jeden Tonabnehmer auf die Schwingungseigenschaften genau dieses Instruments ab. Das lässt sich nicht beschleunigen.
Wer konkret plant, fragt früh an.
Weiterführendes
Wer noch nicht sicher ist ob neu gebaut oder gebraucht die bessere Wahl ist, findet im Guide zu Vintage-Gitarren Händlern (coming soon) einen anderen Einstieg.
Wer geografisch sucht, landet über den Gitarrenladen-Finder direkt auf der Karte.