Paul Schmoranzer repariert Gitarren und Bässe im Essener Südviertel, Cäsarstraße 16, in einem Souterrain, das früher über 80 Jahre lang eine Schusterei war. Die Wahl, in der Souterrainetage zu bleiben, hat einen praktischen Grund: Im Hochsommer heizt sich der Raum kaum auf, was gut für die Hölzer der Instrumente ist. Durch das Schaufenster zur Straße sieht man die Werkbank, direkt nebenan der Musikshop Axel.
Seit 2012 repariert Schmoranzer Gitarren und Bässe, seit 2016 in dieser eigenen Werkstatt. Über 4500 Instrumente hatte er seitdem in den Händen, Fender, Gibson, PRS, Nik Huber, Duesenberg, Nash und Music Man eingeschlossen – nahezu jede Marke hat er schon aufgemacht. Beim Musikshop Axel nebenan hat er früher selbst als Repairman gearbeitet; die beiden Läden empfehlen sich bis heute gegenseitig weiter.
Eine offizielle Ausbildung zum Zupfinstrumentenmacher hat Schmoranzer nicht absolviert. Er hat eine Masterclass im Gitarrenbau gemacht, war jahrelang als Repairman tätig und spielt seit über 20 Jahren selbst. Nach jeder Reparatur nimmt er das Instrument in die Hand und spielt es durch, um zu hören, ob die Bespielbarkeit wirklich stimmt. Neben Gitarren und Bässen kommen bei ihm auch türkische Saz und griechische Bouzouki auf den Tisch. Was Saiten hat und Zuwendung braucht, ist willkommen.
Schmoranzer betreibt außerdem seit Jahren den Podcast Paul’s Guitarcast, inzwischen über 50 Folgen lang. Peter von den Beatsteaks war zu Gast, Pogo McCartney von Messer, Dennis Scheider von Die Tiere. Er arbeitet auch als Tour-Tech; die vergangene Saison hat er auf den Shows der Beatsteaks und bei Kraftklub verbracht. Die Gäste im Podcast sind Leute aus der Szene, die er aus eigener Arbeit kennt, und man hört das in den Gesprächen.
Geplant sind Workshops nach dem Rent-a-Bench-Prinzip. Werkzeug steht bereit, Schmoranzer gibt Anleitung, du schraubst selbst an deiner Gitarre. Die Teilnehmer sollen unter seiner Anleitung verstehen, warum die Saitenlage darüber entscheidet, ob sich ein Instrument spielen lässt oder gegen einen kämpft. Schmoranzer hat früher Kulturpädagogik studiert und macht das bis heute spürbar: Er sponsert Bandcontests in örtlichen Jugendhäusern, bietet gelegentlich Praktikumsplätze für interessierte Jugendliche an und plant längerfristig, die Werkstatt inklusiv auszurichten.
Die Werkstatt ist Mi bis Fr ab 11 Uhr geöffnet, samstags bis 14 Uhr. Montag und Dienstag bleibt sie zu.