Über Jens Ritter
In einem Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert mitten an der Pfälzer Weinstraße arbeitet ein Gitarrenbauer, dessen Instrumente in Deidesheim entstehen und in den Sammlungen des Smithsonian in Washington und des Metropolitan Museum in New York hängen. Jens Ritter macht dabei keinen Unterschied zwischen Kunstwerk und Instrument – für ihn ist das Bauen einer Gitarre oder eines Basses eine Form der Komposition, das Ergebnis immer ein Unikat.
Den Beruf des Instrumentenbauers hat der gebürtige Pfälzer nie formell gelernt. Er durchlief eine Ausbildung zum Industriemechaniker in einer Ludwigshafener Chemiefabrik und bildete sich zum Maschinenbautechniker weiter – Gitarren und Bässe baute er zunächst als Hobby. 1996 entstanden die ersten professionellen Instrumente. Als ein einschneidendes Erlebnis ihm klargemacht hatte, dass das Leben von einer Sekunde auf die nächste vorbei sein kann, ließ er mit 27 Jahren die feste Stelle sausen und machte sich selbstständig.
Gitarren, Bässe – und Materialien, die man nicht erwartet
Ritter konstruiert seine Instrumente auf Papier, überträgt sie in 3D-CAD und setzt sie anschließend in reiner Handarbeit um. Was dabei herauskommt, kann z.B. ein Korpus sein, der sechs Monate in einer Wiese vergraben war, ein Jahr in einem Riesling-Fass gereift hat, oder mit Diamanten und 18-Karat-Gold-Einlagen besetzt ist. Dies geschieht nicht als reine Effekthascherei, sondern weil für Ritter jedes Material den Klang formt. Er ist überzeugt, dass 70 bis 80 Prozent des Tons einer E-Gitarre oder eines E-Basses durch die Holzauswahl entsteht – und hat diese Klangdatenbank über Jahrzehnte aufgebaut.
Das Angebot gliedert sich in drei Stufen. Signature Pieces ab rund 10.000 Euro sind für Profi-Musiker gemacht, die ein handwerklich überragendes, zuverlässiges Werkzeug brauchen. Master Pieces bis 25.000 Euro arbeiten mit seltenen Hölzern und Materialien wie ausgesuchten Edelsteinen und Goldeinlagen. Collector Pieces ab 25.000 Euro sind Einzelstücke an der Grenze zwischen Instrument und Skulptur. Zu Ritters Kunden gehören Prince, Lady Gaga, Dave Grohl, George Benson, Nile Rodgers, Mary J. Blige und Phil Lesh von den Grateful Dead.
Vier Projekte, die Ritters Einfallsreichtum zeigen
Die Sleeping Beauties sind E-Gitarren, die für exakt 100 Jahre versiegelt werden – mit Wachssiegel, eingraviertem Aufwachdatum und einem Ritter-Video, das automatisch freigeschaltet wird, wenn die Zeit abgelaufen ist. Die Intune Frames verstecken vollständig spielbare Instrumente hinter großformatigen Kunstdrucken oder bemalten Gemälden. Bei Omakase nennt der Kunde nur ein Budget; was Ritter daraus macht, bleibt vollständig ihm überlassen – wie beim Sushi-Chef, der weiß, was heute gut ist. Und Cars & Guitars verwandelt den Charakter eines Traumautos in ein maßgefertigtes Instrument, das dessen Farben, Formen und Temperament trägt.
Besuch nur nach Vereinbarung
Das Atelier in Deidesheim ist kein Laden. Wer ein Instrument oder ein Erstgespräch möchte, vereinbart vorab einen Termin – direkt über die Website. Ein Custom-Order läuft über mehrere Monate und endet in einem Objekt mit lebenslanger Konstruktionsgarantie.