Im Gibson Demo Shop ist aktuell eine Gibson Custom 1959 Les Paul Standard Reissue VOS in Washed Cherry Sunburst als Demo-Exemplar gelistet – mit zwanzig Prozent Rabatt unter dem regulären Preis. Die Mängel sind dokumentiert: eine kleine Delle auf der Rückseite des ersten Bundes, abgeplatzter Lack am hinteren Rand der Kopfplatte, ein Lackfehler am Sattel auf der Diskantsaite. Alles in den Fotos sichtbar.
Die 1959er Les Paul Standard gehört zu den einflussreichsten E-Gitarren der Rockgeschichte. Gibson Custom versucht mit dem Historic Reissue-Programm seit Jahrzehnten, dem Original so nah wie möglich zu kommen. Halsverbindung und Ahorndecke sind mit Knochenleim gefügt, die Custombucker Alnico 3 Pickups sitzen ungepottet im Mahagonikörper, Paper-in-Oil-Kondensatoren und CTS 500K-Potis stecken im Elektronikfach, der Halsstab ist das authentische No-Tube-Modell der Fünfziger. Das sind nicht nur Marketingdetails. Ungepottete Pickups reagieren anders auf Lautstärke, Knochenleim beeinflusst das Resonanzverhalten, Paper-in-Oil-Caps klingen anders als moderne Keramikkondensatoren. Das ist der Kern dessen, was die Historic Reissue versucht zu erreichen.
Der Lack ist Nitrocellulose VOS und absichtlich nicht auf Hochglanz poliert, sondern leicht stumpf und gealtert (wie nach ein paar Jahren Spielbetrieb). Wer eine neue Gitarre glänzend haben will, greift lieber woanders zu. Ich mag dieses Finish sehr.
Washed Cherry Sunburst ist eine der period-korrekten Farboptionen, dunkler als ein normales Cherry Sunburst, mit mehr Braun in der Mischung. Die Custombucker sind nach dem Original-PAF spezifiziert, jenem Patent Applied For-Humbucker, der in den echten ’59ern saß und für einen großen Teil des Klangs verantwortlich war. Für eine neue Custom Shop Historic Reissue ist der aktuelle Preis durch den Demo-Status ungewöhnlich niedrig.