Thomas Eichert – Gitarrenbau Aidlingen

Thomas Eichert baut Gitarren in Aidlingen, südlich von Stuttgart. Wer eine Gitarre von ihm möchte, muss wahrscheinlich etwas warten, da dies in der Regel individuelle Auftragsarbeiten sind. Gut Ding will Weile haben – es sind schlicht die Stunden, die eine handgefertigte Konzertgitarre aus gut abgelagertem Tonholz braucht.

Gelernt hat Eichert in Markneukirchen – im vogtländischen Musikwinkel, wo das Handwerk seit Generationen weitergegeben wird. 1988 Lehrbeginn, 1990 Gesellenprüfung mit Auszeichnung. Dann vier Jahre Studium im Fach Zupfinstrumentenbau in Zwickau, 1994 die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Chemnitz – ebenfalls mit Auszeichnung. Zwei Jahre später eröffnete er seine erste Werkstatt in Baiersdorf. Seit 2014 ist er in Aidlingen.

Er baut drei Modelle. Das Modell N ist die klassische Linie, mit erhöhtem Griffbrett über der Decke für leichtere Spielbarkeit in hohen Lagen. Das Modell L hat Lattice-Beleistung und übertrifft das N in Dynamik und Sustain deutlich – Eichert sieht es als den Nachfolger, der die ältere Baureihe langsam ablöst. Das Modell Z ist die mehrsaitige Variante: acht bis elf Saiten, für alle, die Lautenliteratur mit originalen Bässen spielen wollen. Jedes Modell kommt in drei Ausführungsstufen. Die untere Linie konzentriert den Aufwand auf den Klang, ohne Einlegearbeiten. Die mittlere bringt bestes Holz und schellackpolierte Decke. Bei der oberen sind Zargen und Boden mehrfach laminiert – das erhöht die Steifigkeit und bringt spürbar mehr Lautstärke und Sustain.

Das Holzlager ist der Kern von allem. Mindestens zehn Jahre Lufttrocknung, vieles zwanzig Jahre und mehr. Die meisten Rosetten fertigt er individuell – oft aus Holzresten von Boden oder Zarge derselben Gitarre. Wer versteht, dass Holz atmet und sich bewegt, versteht auch, warum hier niemand einfach Bestellungen abarbeitet. Einige Instrumente hat er immer in Aidlingen zum Anspielen vorrätig – damit du verschiedene Holzkombinationen und Modelle direkt vergleichst, bevor du dich festlegst.

Michael Winkler, Konzertgitarrist, schrieb nach dem ersten Spielen einer Eichert-Gitarre: „Nicht ich musste die Töne quasi aus dem Instrument herauskitzeln, sondern das Instrument hat mich zum Spielen verführt.“ Seither hat sie ihn auf vielen Tourneen begleitet.

Zum Nachhaltigkeitsprogramm: Eichert hat ausgerechnet, wie viel Tropenholz er über sein ganzes Berufsleben verbraucht hat – ungefähr fünf tropische Bäume insgesamt. Pro verkaufter Gitarre lässt er fünf Bäume pflanzen. Die Rechnung geht auf.

Falls du von weit anreist: Er hat auch ein Gästezimmer, in dem du bei Bedarf übernachten kannst.


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